Politics

Doppelmoral

In letzter Zeit fällt es mir immer mehr auf. Wir entwickeln eine gewisse Doppelmoral in unseren Shitstorms. Es gibt tolle Beispiele. Nehmen wir einfach mal die Geschichte rund um piratenratingen.de.

 Ja, die CDU hat eine Domain mit Piraten registriert. Sie hat daraus Presse geschlagen. Und wir? Wir beginnen einen Shitstorm. Da wird die Rechtsabteilung eingeschaltet, es wird von Abmahnungen und von Disputes gesprochen. Es wird sich über die Frechheit der CDU aufgeregt.

 Ich denke immer gerne an den Wahlkampf 2009 zurück. Da haben wir genau solche Dinge gemacht. Es wurde als „geile Aktion“ gefeiert. Wir hatten unseren Spaß. Aber jetzt hat jemand anderes diesen Spaß halt mal auf unsere Kosten und wir sind eingeschnappt wie ein kleines Kind. Gut, dies mag zum Alter der Partei passen, die mit 6 Jahren jetzt ihre Sturm und Drangzeit erlebt, im wahrsten Sinne des Wortes, aber lt. Satzung sollten alle Mitglieder älter als 16 Jahre sein.

 Gerade habe ich den super Blogbeitrag von Tarzun gelesen, der die Geschichte um den bayrischen Leiter der Landesgeschäftsstelle aufarbeitet. Jetzt lese ich auf Twitter Dinge wie „Hat schon mal jemand mit ihm geredet?“

 Das ist durchaus ein guter Ansatz, den ich Unterstützen kann. Ich errinnere mich aber noch als wir vor einem halben Jahr #esogate hatten. Da haben teils die gleichen Leute, die jetzt Gespräche fordern, auch ohne diese drauf gehauen haben. Und anderes herum. Diese Liste lässt sich mit unterschiedlichen Ereignissen und Personen durchaus fortsetzen.

 Think about it. Twice.

P.S. Danke an @laberlohe für das lektorieren dieses Beitrags.

Politics

Die Kandidatur eines machtgeilen Arschlochs

Irgendwann vor 1 – 2 Wochen, wurde mir im IRC die Frage gestellt ob  ich nicht als Beisitzer im Bundesvorstand kandidieren möchte. Kurze und  flapsige Antwort von mir war: „wenn ich vorgeschlagen werde überlege ich es mir, bin aber zu faul das selbst du machen 😀 „.

Der Moment zog vorbei, längst schon wieder vergessen, viel zu viel zu tun. Da passierte es wieder, mein IRC Client poppte auf. Ein Link flog vorbei, keine Erklärung, keine  Zusammenfassung. Ich wollte eh Pause machen, schaute ihn mir also an. Es war eine Wikiseite für eine Unterstützerliste für… meine Kandidatur.Wenig später – ein zweiter Link plopt auf. Die Kandidaten Liste, dachte ich solle irgendwas zu einem der Kandidaten sagen. Doch da stand ich. Zwei hessische Piraten haben meine Äußerung doch zu ernst genommen. Erste Reaktion: ok – ich möchte darüber nachdenken. Das tat ich auch.

Ein Jahr  Bundesvorstand sein, für die Sache, für die Möglichkeit etwas zu ändern,  für die Möglichkeit die Piraten vorwärts zu bringen! Zeit? Ja klar, könnte klappen, müsste ich halt andere Sachen liegen lassen.

Der nächste  Gedanke: „Wo sehe ich mich in einem Jahr? Was habe ich vor? Was möchte  ich erreichen?“ Ein Denkprozess setzte ein der etwas länger dauerte, der  andere Denkprozesse inkludierte. Ja wir, die PIRATEN, stehen an einem  Wendepunkt. Wir arbeiten auf ein Ziel zu, das ich bei meinem Eintritt 2009  nicht für Möglich hielt. Einzug in Landes-, Bundes- und Europaparlamente.  Dieses Ziel ist zum greifen nah und teilweise auch schon erreicht. Nun musste ich herausfinden was ich möchte.

Wir haben die Chance etwas in diesem Land zu verändern.

Ich  überlegte natürlich schon länger, angeregt durch Stephan Urbachs „Outing“ zu einer Kandidatur um ein Bundestagsmandat, ob ich dies auch möchte. Ich habe viele Gespräche geführt, alle samt positiv. Ich habe Erkundigungen eingeholt: Was macht so ein Bundes- oder Landtagsabgeordneter den lieben langen Tag, die liebe lange Woche? Ich  fragte Bekannte, die da mehr Ahnung/Erfahrung haben. Das Ergebniss: so ein Abgeordneter macht jede Menge. Peter Tauber hat sich die Zeit für ein Gespräch mit mir genommen und mir viele Fragen beantwortet. Er sagte mir, dass eine 60-70 Stunden Woche eher die Regel ist, dass die Wochenenden zu 75% auch mit Terminen zu sind. Der erste Gedanke: „Was kann ich denn mit der neugewonnen Freizeit machen?“ Irgendwie kam der Wunsch in mir auf, die Ziele der PIRATEN Hessen im Bundestag zu vertreten. Ich  versuchte mich zu reflektieren, was habe ich für Fähigkeiten, decken sich meine Fähigkeiten mit denen die man im Bundestag benötigt? Dazu waren auch die oben erwähnten Gespräche hilfreich. Mein derzeitiges Ergebniss: 75% decken sich. Da sind aber noch 25% an Fähigkeiten, die fehlen.

Ich weiß – 100% ist nie Möglich, aber 98% sollten drin sein. Mein Fazit ist: ich muss lernen.

Jetzt heißt es für mich eine Entscheidung fällen. Entweder den Bundesvorstand weiter im Hintergrund unterstützen, dafür aber Zeit haben für Politik und das Aneignen der fehlenden Fähigkeiten oder ein Jahr im BuVo powern, mich eventuell sogar ausbrennen? Welche Agenda habe ich, die ich im Bundesvorstand derzeit noch vermisse? Der nächste Gedanke: „Möchte ich mit Piraten, die auf der Liste stehen, konkurrieren oder sie fördern? Ganz klar fördern – fördern durch Unterstützung, fördern durch Mitarbeit bei ihren Projekten.  Gleichzeitig ist mir seit dem Neujahrsempfang im Main-Kinzig-Kreis aufgefallen, dass ich meinen Kreisverband nicht mehr kenne. Es gibt jede Menge neuer Leute, aber ich kenne kaum welche. Warum? Ich habe meine Arbeit der letzten 3 Jahre analysiert. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich recht schnell auf Landes- und Bundesebene gerutscht bin. Irgendwie bin ich da stecken geblieben. Ich möchte wieder Zeit haben mal einen Stammtisch zu besuchen, einen Infostand machen. Diese Zeit möchte ich mir kommenden Jahr gerne nehmen, was sich aber mit meinem Verständniss für die Arbeit im Bundesvorstand beißt, weil einfach die Zeit fehlen würde.

Mein Entschluss steht fest: Ich kandidiere, aber für den Bundestag.

Ich schrieb oben bereits von Zielen in den nächsten Jahren. Ich habe meine Ziele gefunden: Ich möchte die Forderungen und das Programm der PIRATEN auch im Bundestag vertreten. Dabei habe ich natürlich auch Ziele, die ich mir gesetzt habe und die ich gerne verwirklichen möchte. Ich möchte Transparenz in die Arbeit eines Abgeordneten bringen. Hier ist mein Vorbild Ralf Praschak: Regelmäßige Berichte von der Arbeit, abseits von einfachen Veröffentlichungen, sondern einfach auch das Profane „CDU/FDP/SPD/sonstigen Mann/Frau/Eichhörnchen auf dem Flur getroffen, habe jetzt mehr Infos über xyz, hier hab ich es mal hochgeladen“. Zudem habe ich vor, die Interessen besonders der hessischen PIRATEN zu vertreten, für die ich ja auch antrete, wenn ihr mich wollt ;-). Ich möchte versuchen Spaß und serious business zusammenzuführen.

Ich glaube die Vorbereitungen (Lernprozess, Agenda aufstellen usw.) werden im nächsten Jahr meine Arbeit bei den PIRATEN bestimmen. Das natürlich neben der Arbeit, die ich sowieso schon mache.

Aus diesem Grund werde ich nicht für den Bundesvorstand kandidieren. Jetzt fragt sich der geneigte Leser sicherlich: „Wieso outet er sich jetzt schon als machtgeiles Arschloch?“ Ganz einfach: Es ist noch ein Jahr, ich möchte gerne wissen wen ich wähle und möchte das  nicht erst 2 Wochen vorher erfahren, sondern doch schon länger im voraus. Deswegen möchte ich auch gleichzeitig den Service bieten schon früh meine Absichten kund zu tun.  Natürlich hoffe ich auch auf Nachahmer, besonders im LV Hessen. Outet euch, es tut nicht weh! Die Basis weiß, woran sie ist, und jeder kann sich Gedanken über eine eigene Kandidatur machen.

Ich möchte mich allerding bei allen bedanken, die meine Kandidatur zum Beisitzer unterstützt haben und die mir bereits Unterstützungsangebote geschickt haben. Ich möchte mich auch bei der anonymen Lektorin bedanken, die aus dem Kauderwelsch, welches meinem Hirn entsprang, einen lesbaren Text gemacht hat.