Kackscheiße

Es ist soweit, wir haben eine Gedankenpolizei. Anfänglich muss ich sagen, dass ich keine Meinungen anprangere sondern Methoden.

Wir lassen uns seit Wochen von einer Debatte treiben. Grob kann man diese unter Intoleranz zusammenfassen. Auch wenn diese Debatten nicht zusammengefasst gehören. Diese Debatten treiben mittlerweile Züge, die ich nicht mehr gut heißen kann.

Sobald eine Debatte emotionsgesteuert geführt wird, so kann sie nur noch verlieren. Jeden Tag lese und höre ich irgendwelche Auswüchse dieser Diskussion. In diesem Artikel möchte ich gerne ein paar Dinge thematisieren und kommentieren.

Auf einem Stammtisch kommt, lt. Twitter, ein $Pirat mit einem Lonsdale-Pullover zu einem Stammtisch. Er wird gebasht und muss ihn ausziehen.

Srlsy? Sind wir schon so weit? Lonsdale ist sehr beliebt bei Rechten, das stimmt. Die Firma selbst grenzt sich jedoch strikt gegen rechtes Gedankengut und Intoleranzen ab. Sie Sponsern den CSD in Köln. Und wir regen uns wegen eines Pullovers auf? Rechte tragen auch Hosen, darf ich die auch nicht mehr tragen?

Zu diesem Passus gibt es eine Gegendarstellung von einem Anwesenden. http://blog.janleutert.de/2012/04/kackscheise/#comment-429

Es werden gerüchteweise Protokolle auf Stammtischen geführt, um sexistisches Verhalten auf diesem an den Pranger zu stellen.

Damit sind wir dann auf der 3. untersten Schiene gelandet. Auf einem Stammtisch sind nicht nur Piraten. Es sind auch Privatpersonen. Aber klar, speichern wir die Aussagen auf Vorrat. Sollte mir so was auf einem Stammtisch passieren, werde ich aufstehen, alle beschimpfen und gehen.

Das Bundesschiedsgericht wird für ein Urteil gebasht.

Wir stehen für einen Rechtsstaat, wenn ihr ein Scherbengericht haben wollt, ändert das PartG und die Satzung! Der wütende Mob soll die Kontrolle übernehmen? Klar dann können wir auch gleich aufhören politisch aktiv zu sein. Der wütende Mob kann nichts anderes als Mistgabeln und Fackeln schwingen. Ich habe noch nie erlebt, dass so effektiv gearbeitet werden kann. Das ist die wahre Tyrannei der Masse.

Emotionen in der Debatte

Die Debatte wird so emotional geführt, dass sie die, die es erreichen soll, abschreckt. Dies ist in keinster Weise zielführend. So treibt ihr Leute in die Arme derer, die ihr nicht haben wollt. Ist euch das bewusst? Damit kommen wir zum nächsten Punkt.

Es gibt mittlerweile Piraten welche sich nicht trauen, sich zu diesem Thema zu äußern.

Herzlichen Glückwunsch, wir sind so weit. Wenn Leute Angst haben, ihre Meinung zu sagen … ich möchte hier jetzt keinerlei Vergleiche ziehen, das überlasse ich euch. Die Angst, die Meinung zu äußern, nur weil sie diese vielleicht nicht sonderlich gut formulieren können. Aus Angst niedergemetzelt zu werden. Jetzt fehlt nur noch eine vergessene Kunst der Piraten, Morddrohungen. Ich muss gestehen, ich habe lange keine mehr erhalten. Aber wenn wir das wieder hin bekommen, dann können wir uns auch auflösen. Und der Pranger existiert auch in der Einzelfälle-Tumblr, die ich unter aller Sau finde!

Die einzige Steigerung ist ein Stahlkäfig auf dem BPT, da sperren wir die Delinquenten ein und bewerfen sie lustig mit Tomaten. Wilkommen im Mittelalter!

Exempel

Bodo Thiesen. Man mag zu ihm stehen wie man möchte. Er hat Scheiße erzählt, hat sich wieder distanziert und das nicht nur einmal. Er wurde dafür bestraft, als es in die Medien kam war das auf einmal nicht mehr genug. Ein PAV musste her. Am besten bestrafen wir zukünftig so oft, bis uns das Ergebniss passt. Das erinnert mich an die schwachsinnigen “8 mal Todesstrafe” in den USA. Ich bin kein Freund von Bodo und komme mit seiner Art auch nicht zurecht, aber auch er ist ein Mensch und ein Pirat und er hat das gleiche Recht auf faire Prozesse.

Gedankennachweis

Nur wer sich distanziert ist gut. Jetzt wird gefordert, jeder soll sich von allem distanzieren. Ich bin Pirat geworden und habe die Satzung anerkannt. In der Satzung habe ich folgenden Passus anerkannt:

Sie vereinigt Piraten ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit, des Standes, der Herkunft, der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung und des Bekenntnisses, die beim Aufbau und Ausbau eines demokratischen Rechtsstaates und einer modernen freiheitlichen Gesellschaftsordnung geprägt vom Geiste sozialer Gerechtigkeit mitwirken wollen. Totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab.

Was bedeutet dies? Ich habe mich gegen alles, was gefordert wird, abgegrenzt. Dieser Passus bedeutet bereits, dass ich niemanden aufgrund seines Geschlechts diskriminieren werde, oder wegen seiner Herkunft. Es heißt, ich wirke beim Auf- und Ausbau eines demokratischen Rechtsstaates mit und an einer modernen, freiheitlichen Gesellschaftsordnung. Ich lehne totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen ab. Ich bin ein Teil der Piratenpartei, also gilt dieser Passus für mich und alle anderen Piraten. Man kann diesen Passus gerne erweitern, aber jetzt von allem und jeden eine Distanzierung und Unvereinbarkeit zu verlangen ist in meinen Augen nicht zielführend.

Wem das nicht reicht, der kann gerne in das Programm schauen, hier wird sich, zwar nur indirekt aber immerhin, gegen Sexismus aufgestellt.

Zum Abschluss möchte ich sagen, dass ich keine Zeit für solch eine Selbstverständlichkeit aufbringen möchte, wo es nur noch um Feinabstufungen, Reaktionen und Definitionen geht.

 

34 Gedanken zu „Kackscheiße“

  1. Mal abgesehen davon, dass ich trotzdem will, dass Bodo sich vom Acker macht und sein Umfeld ihm das ebenfalls zu verstehen gibt, kann ich dem hier zustimmen.

  2. Danke.

    Ich bin der Meinung, dass in letzter Zeit die Themen Feminismus und Anti-Faschmismus geradezu pervertiert wurden.
    Ich kann mich sehr mit den Idealen der Protagonisten identifizieren kann, mitunter aber nicht mit den Methoden.
    Wie kann es sein, dass die beiden Hauptaspekte dieser Bewegungen, nämlich Gleichberechtigung einerseits und Toleranz andererseits so effektiv und erbarmungslos zum Ausgrenzen und Mund-Verbieten benutzt werden!?
    @afelia hat es bei N24 richtig gemacht: Trotz immensem Druck hat sie nicht bedingungslos eine Floskel geschrien, die andere von ihr erwartet haben.
    Jede zaghafte Kritik an dieser Methodik, jedes kritisieren wird als “relativieren” gebrandmarkt.
    Das ist polemisch. Relativieren ist wichtig, denn es bedeutet Dinge im Kontext zu sehen.

    Nochmal: Es bereitet mir körperliche Schmerzen, wenn Menschen im Namen von Toleranz und Aufgeklärtheit zu Lynchjustiz aufrufen und nur eine einzige Reaktion (ihre) akzeptieren. Und da ist es EGAL, gegen wen es geht.

  3. > Auf einem Stammtisch kommt, lt. Twitter, ein $Pirat mit einem Lonsdale-Pullover zu
    > einem Stammtisch. Er wird gebasht und muss ihn ausziehen.

    Das ist bedauerlich, erreicht aber lange nicht die Qualität von tatsächlich sexistischen oder rassistischen Äußerungen.

    > Es werden gerüchteweise Protokolle auf Stammtischen geführt

    Wenn du das nicht klar belegen kannst und Ross und Reiter nennst, betreibst du damit selbst Stimmungsmache.

    > Und der Pranger existiert auch in der Einzelfälle-Tumblr, die ich unter aller Sau finde!

    MIt dem Einzelfälle-Tumblr habe ich überhaupt kein Problem, solange dort nur Tweets aufgeführt sind, die mal öffentlich waren, und nicht irgendwelche Sprüche, die angeblich mal auf irgendeinem Stammtisch gemacht wurden.

    1. Es sind aber auch Sprüche von Stammtischen dabei, derzeit nur anonymisiert. Aber das verlangen danach, es auch mit Namen zu machen ist groß.

      Zu den Lonsdale ding, Da beziehe ich mich tatsächlich auf einen Tweet mehr Infos habe ich da nicht. Zu dem Stammtischprotokoll liegt mir die Aussage eines teilnehmers vor der ich glaube, weil ich mit der Person schon öfters zu tun hatte.

  4. So siehts nämlich aus. Vielleicht überlegst Du Dir als Mann, lieber Jan, mal, ob der Einzelfälle-Tumblr nicht in höchster Not der gedissten und sexistisch und rassistisch Beleidigten ins Leben gerufen wurde, weil in der Partei einfach keiner geholfen hat?? Und bitte, wer traut sich jetzt nicht, WAS zu sagen? Die Äusserungen des LV Bayern Vorsitzenden heute sind unter aller Sau. Erst wenn wir uns mal alle dem wirklichen Problem bewusst geworden sind, können wir uns nach einer Lösung umsehen. Aber jegliches Relativieren und immer und immer wieder Pochen auf die Grundrechte auch für Leute wie Thiesen MACHT ES NICHT BESSER. Im Gegenteil. Eine Demokratie, und ein Land wie die USA, welches Du hier anfürst hat dies noch immer nicht gelernt, kommt ohne Verbote in bestimmten Bereichen nicht aus.

    1. Lieber Tobias,

      ja ich habe mir überlegt ob dies vielleicht aus der Not entstanden ist. Aber auch die Opfer sollten ein Interesse an der Abstellung des Verhaltens haben. Sowas erlange ich aber nur durch Aufklärung der Täter, die dies vielleicht auch aus unwissenheit tun und nicht durch Bloß stellen und bashen.

      Ich weiß das wir ein Problem haben, und habe dies auch im LV Hessen thematisiert. Ich finde die Debatte darüber wichtig und richtig aber ich finde die Art wie sie geführt wird nicht gut und kontraproduktiv der Sache gegenüber.

    2. Lieber Tobias,
      du hast schon früher den Schuss nicht gehört und heute auch noch nicht.
      Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ein Mitglied des Bundesvorstandes “im Strahl kotzt” nach einer Entscheidung des BGS. Das hätte ein bayrischer Innenminister nicht besser machen können. Hier spielen die “Ernst Thälmann Gedächtnis Brigaden” ein Spiel was eventuell dem einen oder anderen Älteren von euch aus den neuen Bundesländern noch zu bekannt vorkommt. Es werden Piraten auf den Mailinglisten, auf Twitter in Diskussionen mundtot gemacht. Sie werden in aller Öffentlichkeit an den Pranger gestellt weil sie dieses “öffentliche anprangern” kritisieren. Ich muss auf Mailinglisten sachliche Beiträge lesen, wo immer öfter als letzter Satz steht “das man sich natürlich distanziert”. Das klingt wie Angst davor zu haben auch als Sexist, Nazi usw. bezeichnet zu werden. Es wird gefordert, nein man wird bedrängt Unterstützerlisten zu unterschreiben, die von Gruppierungen innerhalb der Piratenpartei stammen für die Grund- und Menschenrechte einen feuchten Kehricht sind. Es werden öffentlich Landesvorsitzende gebasht und diffamiert. Es gab einen Fall in einem süddeutschen Kreisverband wo massiv gedroht wurde. Wer schreitet da gegen ein? Keiner aus Angst dasselbe erleben zu dürfen. Auf Twitter sind es immer dieselben Personen die unflätig um sich schlagen und jeden anderen subtil bedrohen? Wer ruft die zu Ordnung? Auch keiner. Seit den Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin sehe ich immer mehr Mitglieder bei uns auftauchen, die ich in keiner demokratischen Partei sehen möchte. Ob es nun Nazis oder Ultralinke sind, ich möchte euch nicht bei den Piraten haben. Spielt eure Kackspielchen irgendwo anders, geht in die Wüste und haut euch da den Schädel ein. Ihr seid hier unerwünscht!! Ich denke mal das es nachzuvollziehen ist das ich nicht meinen richtigen Namen oder Nick angebe

  5. Danke Jan, wie üblich gute, wohl überlegte Worte.

    Wie schnell manche so werden, wie die Etablierten und all das, was wir bei den anderen bekämpfen, ist erschreckend.

    Schönen Gruß
    Aleks

  6. /sign

    Außerdem: Das Schlimme ist, dass diese Eskalation der Sache extrem schadet. Die inflationäre Verwendung von harten ismen-Vorwürfen erzeugt einen Nebel, in dem die wirklich miesen Typen kaum noch zu erkennen sind.

    Daneben schreckt es Menschen ab, die das jeweilige Ziel (gg. Rechts, gg. Diskriminierung) eigentlich teilen, hierfür auch zu kämpfen in einem solchen Umfeld.

    Ich bin besorgt.

  7. Hallo Jan,

    danke für diese Worte. Mir machen diese Tendenzen auch Sorgen.

    Bei dem Einzelfälle-Tumblr bin ich übrigens selbst vor einigen Tagen Opfer eines Eintragungsirrtums geworden. Aus dem Nichts heraus wurde ich plötzlich mit Anfeindungen bombardiert, die ich mir zunächst nicht erklären konnte. Später stelle sich raus, dass dort auf einen anonym eingereichten Beitrag hin das Zitat “Ihr Frauen kehrt doch gerne!” angeblich von mir am Freiburger Stammtisch geäußert wurde.
    http://einzelfaelle.tumblr.com/post/21171753957/stammtisch-freiburg

    Mittlerweile steht dort, dass zwischenzeitlich jemand versehentlich dort eingetragen war. Das stand vorher mein Name. Ich hatte glücklicherweise Zeugen, die sagten, dass sie zwar das Zitat gehört hatten, aber es definitiv von jemands anders kam. Schön, wenn man in einem Rechtsstaat seine Unschuld erstmal beweisen muss.

    Mehr Sorgen als die Tatsache, dass man dadurch unverschuldet in irgendeinen Empörungsshitstom geraten kann, macht mir der Umstand, dass man jetzt anscheinend auch noch an Stammtischen nach 2-3 Hefeweizen genau aufpassen muss, was man sagt, weil es Leute gibt, die nichts Besseres zu tun haben, als so etwas mitzuschreiben und irgendwo anonym einzureichen.

    Als ich 2009 in der Piratenpartei aktiv wurde und den genannten Stammtisch mit gründete, war das aus Angst vor einem Überwachungsstaat. Jetzt haben wir selbst einen geschaffen. Glückwunsch an alle Beteiligten.

    Viele Grüße
    André (Navigator / @Brainvibes)

    1. Genau das ist das Problem der Emotionalen Debatte die derzeit geführt wird. Es wird verurteilt ohne zu Fragen. Und so wird auch mal ganz schnell der falsche getroffen.

    1. Aber wenn ich mich nicht traue etwas auszusprechen, kann meine Einstellung nicht durch FAKTEN korrigiert werden.

      Wenn ich jetzt sage “Herdprämie ist nicht sexistisch und ehrt die Frau” (ich finde es schon schlimm das ich es schreiben muss, aber das ist nur ein Beispiel und entspricht NICHT meiner Meinung)
      dann wird dass nach meiner Logik richtig sein, aber faktisch falsch. Aber wenn ich mich nicht traue das auszusprechen weil ich schon Angst habe das es falsch sein könnte, mir es aber keiner belegen kann, wie soll ich dann dazu lernen?

      Und genau das ist die Frage und da trägt die emotionale Debatte in keinster Weise bei.

  8. ‘Der wütende Mob kann nichts anderes als Mistgabeln und Fackeln schwingen. ‘

    Ach, wir sind wohl wirklich etabliert.

    Solche Sprüche, ‘Wutbürger’ etc. kannte ich nur von den sog. etablierten Parteien besodners im Zusammenhang mit S21. Damit wurde Menschen diskreditiert die sich an ihre demokratische Rechte erinnert haben.

    Und: ‘Das ist die wahre Tyrannei der Masse.’ <– interessant, so bezeichnen etablierte Parteien (z.B. die FDP) die demokratischen Vorgänge bei uns Piraten.

    Merkwürdig wie die Emotionen bei dem Thema 'Rechts' hochkommen.
    Gedankenpolizei, Kackscheisse, bashing, Mittelalter..

    Da lobe ich mir doch so einen sachlichen blogpost wie diesen hier dessen Überschrift lautet 'Kackscheisse'

    1. Die Überschrift ist absichtlich provokant gewählt um Leser anzuziehen ;)

      Den Wütenden Mob kann ich hier genau definieren. Das sind die, die ohne zu schauen ob die Fakten stimmen (siehe brainvibes Kommentar etwas weiter oben) anfangen loszubashen. Ds sind die, die statt aufklären, anfangen zu beschimpfen. Das sind Schädlinge der Debatte und die tragen dazu bei, das viele abschalten. Diese Leute definiere ich als wütenden Mob. Ich dachte das kommt genug heraus.

      Ich achte die Piraten die versuchen die Debatte aufklärerisch und sachlich zu führen. Die versuchen Leute zu überzeugen statt zu beschimpfen. Das ist in meinen Augen der richtige Weg und auch der Weg den ich beschreite.

  9. Lieber Namensvetter,

    ich beziehe mich mal auf Punkt 1 deiner Aufzählung: Die Sache mit dem Lonsdale-Pulli. Da war ich nämlich selber dabei, und kann folglich vielleicht etwas klarer machen, was da eigentlich gewesen ist, als dein “ICH HABE XY ODER SO ÄHNLICH GEHÖRT UND DAS GEHT GAR NICHT!”

    Also, beim besagten Dortmunder Stammtisch vom 18.4. waren auch mehrere (habs nicht gezählt, ca. 8) Anons dabei, weil die nächste Anti-ACTA-Demo besprochen werden sollte. Diese Anons hockten da also an ihrem Tisch, allesamt in Guy-Fawkes-Maske, und einer von denen hatte halt einen Lonsdale-Pulli an. (Es war also ein Anon, kein Pirat.) Er wurde darauf angesprochen, ob ihm klar wäre, dass die Symbolik eines Maskenmannes in Lonsdale-Klamotten vielleicht nicht so gelungen ist, woraufhin er den Lonsdale-Pulli ausgezogen hat. (Normales Gespräch, kein Gebashe.) Was uns allerdings etwas schockiert hat, war seine Rechtfertigung “Oh, das habe ich gar nicht gewusst.”

    Er hätte ja durchaus genau das für sich in Anspruch nehmen können, was du zum Thema Lonsdale gesagt hast. Er hätte sagen können, dass ihm die Problematik sehr bewusst sei, dass die Marke sich aber auch stark gegen Rechts engagiert, und dass er dazu beitragen möchte, einen Gegenpunkt gegen die rechte Unterwanderung dieser Marke zu setzen. Hätte er sagen können, wenn er sich der ganzen Sache überhaupt bewusst gewesen wäre. War er sich aber nicht.

    Wer ein politischer Aktivist sein will, der nimmt für sich in Anspruch, eine gewisse moralische und politische Instanz zu sein. Zu einer solchen gehört auch dazu, die zur Schau getragenen Symbolik im Griff zu haben. Denn politischer Aktivismus und politische Naivität vertragen sich gaaaanz schlecht. Das haben wir ihm dann auch so mitgeteilt. Ihm fiel allerdings nichts besseres ein als “Ich bin selbst Ausländer.” Fail.

    Das war das, was sich wirklich zugetragen hat. Ich muss sagen, das ist von deiner Schilderung relativ weit entfernt. Zu sonstigen Gerüchten, die du hier als Fakten benutzt, kann ich wenig sagen. An manchen anderen Stellen kann ich deine Aussagen halbwegs bewerten, und komme zu dem Schluss, dass du hier einen ziemlichen Strohmann aufbaust. In manchen Mahnungen hast du durchaus Recht, aber insgesamt baust du hier aus lauter Halbwahrheiten ein Gerüst auf, das im Ganzen einfach nicht stimmt. Und dieses Gerüst bezeichnest du dann vollmundig als “Gedankenpolizei.”

    Damit machst du es dir zu leicht. Dass du nebenher noch polemisch selbst solche Schätzchen wie “Tyrannei der Masse” einbaust und es ernst meinst, hilft deinem Punkt auch nicht wirklich weiter.

    Ignoriere bitte nich das zugrundeliegende Problem. Denn dieses Problem existiert.

    1. Danke für die Aufklärung. Ich habe nur 3 Tweets als Basis gehabt, deswegen auch “lt. Twitter”

      Aber selbst das Problem, das er sich wegen etwas, auch faktisch total unproblematischen rechtfertigen muss, zeigt wie die Diskussion geführt wird. Erstmal bashen auch beim kleinsten Anflug eines entfernten Verdachts. Und jemand wegen dem geringsten Verdacht dazu zu bringen den Pullover auszuziehen finde ich symptomatisch. Lieber schon mal früher drau, und dies aus flasch verstandenen vorrauseillenden Gehorsam, gehen (auch wenn in diesem Fall lt. deiner Aussage ohne gebashe)

  10. Du hast leider recht. Praktiker und Sozialarbeiter tun das seit Jahren: Man kriegt Nazis nur dadurch weg, indem man sie überzeugt. Man überzeugt sie nicht mit Abweisung und draufhauen. Der Berliner Pirat bezeichnet die Kinder die im Netz so laut und besinnungslos rumkrakelen genau richtig: Invers-Nazis.

  11. Da habe wir wohl Glück gehabt mit unserem Mettmanner Stammtisch. Nix Sexismus, Rassismus. Unstimmigkeiten werden im persönlichen Gespräch geklärt. Neu-Piraten können sofort mitreden.
    Bei Twitter allerdings habe ich selbst die Arroganz eines “Alt-Piraten” erlebt.
    Angenervt von immer neuen dümmlichen Sprüchen gegen Claudia Roth schrieb ich “Meinst du, mit solchen Sprüchen kannst du die Piraten besonders gut repräsentieren?”
    Antwort: “Meinst du, dass du die Piraten verstanden hast?”
    Ich: “Ich hoffe es. Deine Vorgehensweise nur nicht. Eine Erklärung kann mir beim Verstehen vllt. helfen?”
    Sendeschluß. Bin aus seinem Twitter geflogen. Eine (freundliche) Mail von mir wurde nicht beantwortet.
    Die Reaktion dieses “Alt-Piraten” hat mich betroffen gemacht, besonders, da er auf einem vorderen Platz in der Landesliste steht. Auch Arroganz hat bei den Piraten nichts zu suchen!
    Ich denke, nur mit einem ruhigen sachlichen Umgangston auf jeder Ebene der Kommunikation können wir eine Basisdemokratie erhalten und gleichzeitig subversive Elemente herausfiltern.
    Oder ist das eine Utopie?

  12. Eine ergebnisoffene und ernst gemeinte Frage habe ich an dich:

    Sind die Fälle, die du hier beschreibst, bedauerliche Einzelfälle oder ein strukturelles Problem bei den Piraten?

    1. Ob Einzelfall oder strukturelles Problem ist ja erstmal egal: Der aggressive, extrinische Umgang damit im Glauben, wenn man nur aggressiv genug schreit, anprangert und Leute angeht, würde eine intrisische Motivation entstehen, eine bestimmte Sichtweise anzunehmen, ist eben gefährlich.

      Und nein, der Zweck, den ich teile, rechtfertigt eben nicht die Mittel. Vielmehr schaden die Mittel dem Zweck.

  13. Klingt ein wenig nach “Schwammdrüber” was wohl in solchen Boomzeiten, als Katzenwäsche bezeichnet, mal zulässig ist. Nur wenn gar nicht mehr „richtig Gebadet“ würde, wird es bald gewaltig an zu stinken fangen.

    Was natürlich in jeder heutzutage möglichen „Koaliesation“ nicht mehr dem einen oder anderen zuortenbar wäre.

    Dennoch, heute meine ungewaschene Zustimmung.

    1. Nein es soll eher nach “lass und die Leute aufklären und überzeugen” klingen. Das ist in meinen Augen die Lösung.”

  14. Das ist ein typischer Trick der Nazis: Intoleranz, Rassismus, Vertreibung predigen und dann auf Freiheit und Toleranz machen. Mit einer kleinen Distanzierung ist dann alles wieder gut, bis es wieder passiert und alles wieder von vorne anfängt. Nimm mal die Piratenklappen von BEIDEN Augen.

  15. OK, ich glaube es langsam: Wir sind gespalten. Ich lese viele anti Nazi Comments aber auch pro “Meinungsfreiheit”. We are doomed!

  16. Das Halbverstandene und Halberfahrene ist nicht die Vorstufe der Bildung, sondern ihr Todfeind.” (Theodor W. Adorno)

    Im Wesentlichen teile ich nur die Sorge, dass sich Piraten nicht mehr trauen könnten, sich zu best. Themen zu äußern. Die massenhaften sprachlichen Entgleisungen der letzten Tage sind nämlich nicht Ausdruck eines geschlossenen, menschenverachtenden Weltbildes von Piraten, sondern Ausdruck latend vorhandener diskriminierender Haltungen und Vorstellungen in der bundesdeutschen Gesellschaft. Es ist leider nicht das Verdienst der Piraten, dass dies transparent gemacht wurde. Wenn Parteimitglieder von CDU bis Linke derart viel twittern und bloggen würden wie Piraten, dann würde die gesamtgesellschaftliche Dimension des Problems sehr greifbar.
    Wenn nicht verstanden ist, dass Toleranz Grenzen hat, so habe ich die Hoffnung, dass man dies trotzdem begreifen lernen machen kann.
    Es kann kein Recht geben unreflektierte menschenverachtende Haltungen unwidersprochen äußern zu dürfen.
    Wenn wir aus unserer Satzung für den Umgang mit diskriminierenden Haltungen, wie auch mit manifesten menschenverachtenden Denksystemen keine Handlungsweisen ableiten können, ist unsere Satzung in diesem Punkt wertlos.

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