Politics

schnipp „Jetzt bist du Gott näher.“

In diesem Text wird explizit die Beschneidung behandelt. Es ist Konsens der Autoren, dass medizinisch nicht notwendige Operationen einen zu verurteilenden Eingriff in die Selbstbestimmtheit über den eigenen Körper darstellen. Hier ist es gleich, ob dies an einer Frau oder an einem Mann stattfindet. Über die Verstümmelung von weiblichen Genitalien kann man sich u.a. hier informieren.

Die Beschneidung gilt in einigen Religionen wie dem Judentum und dem Muslimischen Glauben als ein Heiliger Bund zwischen dem jeweiligen Gott und dem Kind. Die Beschneidung wird im Alter von 8 Tagen gemacht, ausser die Geburt fällt auf einen Sabbat, dann wird auch die Beschneidung an einem Sabbat durchgeführt.

Was ist eine Beschneidung? 

Nun betrachten wir es von einer anderen Seite: Eine Beschneidung – oder Zirkumzision, wie ein Arzt sagen würde – ist erstmal ein medizinischer Eingriff. Nicht nur sozusagen, sondern tatsächlich eine richtige Operation. Selbst dann, wenn der Arzt es nach allen Regeln der Kunst und erfolgreich durchgeführt hat, erfüllt das,was er getan hat den Tatbestand der Körperverletzung!

Es geht nicht darum, ob der Arzt in guten Absichten und auf Wunsch gehandelt hat, sondern nur um zwei Fragen: Erstens: hat der Patient gegenüber seinem Arzt nach ausführlicher Aufklärung (Vorgehen, Risiken, Alternativen, etc.) informiert dem Eingiff zugestimmt? Und Zweitens: es muss sich um einen medizinisch indizierten und kunstgerecht durchgeführten Eingriff gehandelt haben.

Die Vorhaut – dein unbekannter Freund

Die Vorhaut ist eine Reservefalte für die Erektion des Penis. Sie hält die Eichel zart und feucht und dient als Schutz vor Verletzungen, Reibung und Austrocknung. Besonders Reibung an der Eichel, z.B. durch Kleidung führt zu einer Verringerung der Reizbarkeit der Eichel. Die medizinische Indikationen für eine Zirkumzision ist in der vor allem das Vorliegen einer sogenannten Phimose. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Verengung der Vorhaut, durch die es erschwert wird, die Vorhaut zurückzuziehen oder durch die Schmerzen bei einer Errektion auftreten können. In diesem Fall ist es aus medizinischen und genitalhygienischen Gründen indiziert, die Vorhaut ganz oder teilweise zu entfernen. Aber je nach Schweregrad der Phimose kann auch eine konservative Therapie völlig ausreichen.

Wann sollte operiert werden?

Viele männliche Kleinkinder und Säuglinge haben eine völlig normale Vorhautverengung, die überhaupt keinen Krankheitswert hat. Die klinische Erfahrung hat gezeigt, dass sich der Großteil der kindlichen Vorhautverengungen bis zum Alter von 3 – 5 Jahren von selbst zurückbilden. Daher wird eine Operation von vielen anerkannten Fachleuten in der Regel nur angeraten, wenn es zu „Komplikationen“ dieser Vorhautverengung gekommen ist. Dazu zählen starke Schmerzen beim Zurückziehen der Vorhaut (oder beim Sex), Vernarbungen nach Vorhaut-/ Eichelentzündungen, Verletzungen durch das Zurückziehen, oder Störungen beim Wasserlassen.

Je nach Ausprägung dieser Symptome kann eine Indikation zur Operation durch einen Arzt gestellt werden. Wobei wie es bereits erwähnt ratsam ist, bis zum 3 – 5 Lebensjahr mit dem Eingriff zu warten, da sich die Vorhautverengung in vielen Fällen von selbst zurückbildet. Eine Phimose muss auch nicht nur durch eine Zirkumzision operativ versorgt werden. Es gibt gleichfalls vorhauterhaltende Behandlungsmethoden.

Aber die Op ist doch eine sichere Sache, oder?

Wie bei jeder anderen Operation kann es auch bei der Beschneidung in einem signifikanten Anteil der Fälle zu Komplikationen kommen. Das sind vor allem Blutungen (bei bis zu 6%), Wundheilungsstörungen, Infektionen, Empfindungsstörungen oder Vernarbungen. Nicht, dass die Beschneidung ein gefährliches oder kompliziertes Verfahren wäre, oder dass die Chirurgen unsauber arbeiten würden. Aber wenn mit Instrumenten wie Skalpellen am Körper gearbeitet wird, ist einfach nicht auszuschließen, dass es zu Komplikationen kommt. Außerdem bleibt dieser beschnittene Zustand je nach Ausmaß nach des Eingriffes ein Leben lang erhalten – was einmal weg ist, kommt nicht mehr wieder.

Bei Kindern ist alleine wegen den allgemeinen Risiken eines operativen Eingriffes (Blutungen, Infektionen, etc.) zwingend eine sehr sorgfältige Abwägung notwendig, ob eine Indikation vorliegt. In diesem Punkt sind sich übrigens alle Fachleute erstaunlich einig: Eine rituelle Beschneidung erfüllt dieses Kriterium zu diesem irreversiblen Eingriff nicht.

Nochmal Klartext

Das bedeutet: Die Beschneidung eines Kindes aus religiösen Motiven der Eltern, stellt eine Körperverletzung dar, die weder durch eine medizinische Indikation, noch durch eine informierte Zustimmung des Patienten selbst abgedeckt ist. Jeder der diesen Eingriff trotzdem durchführt, macht sich – völlig zurecht – strafbar.

Die Diskussion wird besonders auf Seiten der jüdischen und muslimischen Kirchen sehr emotional geführt. Es wird ein unzulässiger Eingriff in die Religionsausübung gesehen. Hier muss man klar sagen, die Beschneidung aus religiösen Gründen wird in einem Alter durchgeführt, in dem das Kind noch nicht in der Lage ist zu begreifen, was eine Religion ist. Es dient einzig der Religionsausübung der Eltern.

Der in meinen Augen krasseste Kommentar, war in einem Gespräch mir gegenüber: „Wir Deutschen haben gar nicht das Recht darüber zu urteilen. Schon aus geschichtlichen Gründen“. Dies ist keine Diskussionsgrundlage. Hier werden Themen vermischt, die nichts miteinander zu tun haben. Wenn man alt genug ist, sich selbst für eine Beschneidung aus religiösen Motiven zu entscheiden, dann ist dies eine andere Situation

Es ist ganz klar, der Art. 2 Absatz 2 des Grundgesetztes sagt eindeutig:

Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Die Ausübung einer Religion der Eltern kann nicht dazu geeignet sein, diesen 2. Artikel auszuhebeln.

Dieser Text wurde von Christoph Steltner und Jan Leutert verfasst.

Weitere Verweise:

PIratenpartei

Warum ich Fotos mit Politikern anderer Parteien veröffentliche

Die ist ein Gastbeitrag von Stefan Schimanowski. Er twittert unter dem Namen @supaheld und ist Mitglied der Piratenpartei Frankfurt.

 

Bevor ich Pirat wurde, war ich politisch noch unschuldig.

Mich hat Politik einerseits zwar interessiert, aber oftmals auch angekotzt. Ihr kennt das: Politik wird verkörpert von einem Haufen Unsympathen. Die arrogante Art in Talkshows, das Besserwisserische, die Überheblichkeit. Überspitzt gesagt waren Politiker für mich Aliens, die keine Ahnung haben, was vor sich geht und nur auf Parteimeinung gepolt sind.

Anstatt mein Heil als frustrierter Nichtwähler zu suchen, wurde ich Pirat. Wohlgemerkt in Zeiten, als sich kaum jemand für die Partei interessierte.

Und tatsächlich hatte ich dann meine erste Begegnung mit der unheimlichen Art: Wir schreiben das Jahr 2010, wir halten eine Mahnwache zum JMStV in Wiesbaden vor der Staatskanzlei –  sensationelle 12 Teilnehmer – im strömenden Regen.

Plötzlich fährt Roland Koch vorbei. Aus sicherer Entfernung schauen alle, was wir machen, Als wir für ungefährlich erklärt wurden kommt ein

Stefan Schimanowski, Kristina Schröder, Nicole Seiler (vlnr.)

Alien-Assistent zu uns und meint, der Herr Ministerpräsident habe 30 Minuten Zeit, um sich mit uns über den JMStV unterhalten. Das hat mich ja überrascht. Roland Koch, der Inbegriff eines Unsympathen. Die Ernüchterung kam schnell, seine Körpersprache verriet, er möchte uns jungen Leuten mal erzählen, was für realitätsfremde Spinner wir seien. Sein Plan ging nicht auf, wir (und damit meine ich vor allem Julia Reda) haben ruhig und sachlich argumentiert, was dazu führt, dass die Zeitspanne einer halben Stunde (in Alienzeit: ’so lang wie es mir passt‘) vorzeitig beendet wurde.

Fazit: Politiker, Alien, Frust.

Doch ich lies mich nicht bremsen: Umso motivierter machte ich weiter Parteiarbeit. Anfang 2012 und ich stecke mitten im OB-Wahlkampf Frankfurt. Unser Kandidat ist „der Herbert“.Nicht ganz unüblich bei uns Piraten präsentieren wir Herbert als normalen Mensch. Als Wahlkampfmanager, der auf Podiumsdiskussionen mit allen Kandidaten mitgeht, bleibt es nicht aus, auch die anderen Kandidaten kennen zu lernen. 

Da ist zuerst mal Janine Wissler von den Linken, Fraktionsvorsitzende im Landtag. Nett und aufgeschlossen – und sie twittert! Gut, kommunalpolitisch gibt es große Gemeinsamkeiten, da ist also von vorne herein eine höhere Passung.

Dann Rosemarie Heilig von den Grünen, die ist ebenfalls ganz nett. Mit ihr hab ich regelrecht Mitleid bekommen, denn sie wurde im Wahlkampf von ihrer Partei schmählich im Stich gelassen. Peter Feldmann von der SPD und jetzt Oberbürgermeister, auch nett. Gut, muss er zu uns sein, bei einer Schwarz-Grünen Regierung.

Und dann ist da noch der Hessische Innenminister, Boris Rhein…

Das ist natürlich der Erzfeind, sowohl als Innenminister, als auch als gegnerischer OB-Kandidat. Nachdem irgendjemand während des Wahlkampfs plötzlich Piratenplakate aufgehängt hat mit einem Bild von Boris Rhein und dem Spruch „Wieso häng ich hier überhaupt, ihr sollt doch den Herbert wählen“ hat sich die CDU ziemlich aufgeregt, Boris Rhein allerdings nahm es locker. Auf der an diesem Tag abends stattfindenden Podiumsdiskussion mit großen Presseaufgebot dachten wir uns, wir trollen ihn ein wenig. Analog zu unserem Kätzchenplakat hatten wir auch Kätzchenwahlkampf-t-shirts, Herbert hat ihm einfach eins geschenkt, Größe M. Und er hat sich gefreut.

Einige Tage später traf ich neben diverser Politikprominenz wie Sigmar Gabriel oder Thorsten Schäfer-Gümbel auch Boris Rhein auf einer OB-Wahlparty der BILD (jaha, eine Anzugsparty – wir mit Kätzchenshirts).

Rhein erkennt das T-Shirt, spricht uns an und bedankt sich nochmals für das T-Shirt, insbesondere, dass wir die Größe auf M geschätzt haben. Nach einem Austausch über die Schwierigkeit des permanenten Baucheinziehens fragt er nach einem T-Shirt in Größe L. Ich stimme unter einer Bedingung zu: Ich will ein Beweisfoto! Er willigt ein.

Das T-Shirt bekam er, Gelegenheit zum Anziehen war nicht – schade. Er verlor die Wahl und blieb Innenminister – unmöglich ranzukommen.

In Hessen besuchen wir öfter den Landtag, wenn das Plenum tagt, die Abgeordneten bekommen das auch mit. Zwischendrin unterhält man sich mit diversen Leuten, trinkt Kaffee mit Schäfer-Gümbel, mit Leuten von den Grünen, von der CDU, von den Linken kommt auch mal jemand hoch zur Besuchertribüne. Alles nette Leute, mit einigen unterhält man sich öfters und stellt fest, die sind schon in Ordnung.

In Frankfurt hab ich Ärger bekommen, weil ich im Radiointerview sagte, ich würde lieber mit Boris Rhein ein Bier trinken, als mit vielen Piraten. Aber das ist der Punkt. Das sind gar keine Aliens, das sind auch alles Menschen! Was war ich für ein Idiot, dass ich generell jeden Politiker verdammt habe. Schlimm, wenn man feststellt, dass man Vorurteile gegen Leute hat, die einen bestimmten Beruf ausüben.

Stefan Schimanowski und Boris Rhein (vlnr.)

Das geht aber auch andersrum: Am Samstag war Landesparteitag der CDU in Darmstadt. Wir waren eingeladen und als Presse akkreditiert, damit wir überall Zugang haben. Zusammen mit @muggebatscher, @Agetier und @pyth2_0 war ich dort. Natürlich nicht im Anzug, sondern normale Straßenkleidung – schon wurden WIR wie Aliens angeschaut. Mittags gab es ein kurzes Kennenlern-Treffen aller CDU-Twitterer untereinander. Wir  waren auch dabei und wurden von der Bundesfamilienministerin Schröder (die übrigens auch sehr nett ist) angekündigt. Die rund 25 CDU-Twitterer schauten uns erstaunt an, ach das sind also Piraten, wir wurden von den Delegierten aufgeregt fotografiert – ähnlich wie die Presse Angela Merkel fotografiert hat. Fast wie im Zoo 🙂

Auch sie stellen fest: Hey, die Piraten sind ja auch nur Menschen. Die meisten haben sich gefreut, dass wir vor Ort waren, auch wenn wir teilweise arg sarkastisch über den Parteitag getwittert haben. Interessanterweise kamen viele auch auf uns zu, die Frau Schröder, der Herr Bouffier, um uns mal die Hände zu schütteln. Erika Steinbach (die geht politisch ja gar nicht) haben wir zum Frankfurter Stammtisch eingeladen, sie hat sich gefreut und sofort zugesagt.

Und dann läuft da Boris Rhein. Ich erkenne eine einmalige Chance, gehe zu ihm hin und erinnere ihn an sein Foto-Versprechen.

Er erinnert sich, hat aber natürlich sein T-Shirt nicht dabei. Damit habe ich aber gerechnet und überreiche ihm das extra mitgebrachte funkelnagelneue Shirt :D.

Noch rechne ich damit, direkt von der Security rausgeschmissen zu werden, aber Boris Rhein will das Foto tatsächlich machen, allerdings nicht mitten auf dem Parteitag, was sollen denn die ganzen CDU-Kollegen denken.

(deswegen fällt es mir auch nicht leicht, das jetzt zu veröffentlichen.)

Aber erst mal Aktion, ich hole das Shirt, nehm‘ @Agetier als Fotograf mit, wir gehen um eine Ecke, wo uns niemand sieht, Boris Rhein zieht sein Jackett aus, das T-Shirt an und wir machen das Foto.

Saugeile Aktion, oder?

Also ICH würde mich ja nicht mit einem FDP-T-Shirt fotografieren lassen 🙂

Ich entschuldige mich bei Boris Rhein und hoffe er bekommt keinen Ärger, denn ich veröffentliche es trotzdem und dafür habe ich auch einen gewichtigen Grund.

Politiker sind keine Aliens, es sind Menschen, man kann mit ihnen reden, sie hören zu (meistens). Das weiß leider nur keiner.

Aber genau solche Aktionen wie das mit dem T-Shirt machen Politiker menschlicher, greifbarer, aus meiner Sicht ein aktiver Schritt gegen Politikverdrossenheit.

Mein Bild von Politikern hat sich zum Teil geändert. Ich glaube immer noch, dass sie zu weit vom Volk entfernt sind, zu sehr gefangen in der Parteidisziplin, in ihren Mechanismen und den „parlamentarischen Zwängen“. Es zählt nur die eigene Partei, andere Meinungen – so gut und richtig sie auch sein mögen – sind fast immer irrelevant, gute Ansätze anderer werden abgelehnt, weil sie von DEN ANDEREN kommen.

Ich finde das sehr schade, denn es gibt zig Politiker, die sich parteiübergreifend gut verstehen, abends auch mal ein Bier zusammen trinken und sich am Tag danach im Plenum wieder gegenseitig anpflaumen.

Uns Piraten sehe ich hier als eine Möglichkeit, dort vorzudringen. Wir bringen eine gewisse Lockerheit in die Parlamente, wir sind dazu in der Lage, uns mit allen an einen Tisch zu setzen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Wir sind nah am Volk und es ist an der Zeit, dass auch alle anderen einsehen, dass sie mit 48-55% in einer Koalition nicht das ganze Volk repräsentieren. Diese Vision, dass Parteien in Zukunft miteinander und nicht gegeinander arbeiten, möchte ich mir noch lange erhalten.

Politics

Wir müssen das erklären. RTFM? GTFO!

Diesen Artikel habe ich mit freundlicher Hilfe von und zusammen mit Christoph „nplhse“ Steltner verfasst. Wir sind übrigens beide Mitglieder der Piratenpartei, wer hätte es gedacht!

Im Moment erleben wir einen sagenhaften Ansturm und ein großes Interesse an dem, was wir so tun. Dabei kommen wir ständig an den Punkt, dass interessierte Menschen an uns teilhaben wollen. Und was tun wir? Sagen denen “Schau mal im Wiki nach!”, “Frag auf der Mailingliste”, “Geh mal ins Mumble.”, und vieles mehr. Die Muße das alles haarklein zu erklären haben wir natürlich nicht, denn in Wirklichkeit blicken nur die wenigsten in dem Wirrwarr an Kommunikationskanälen der Piratenpartei durch.

An dieser Stelle möchte ich an einen hervorragenden Blogbeitrag von Stephan Urbach und tiefpunkt verweisen. Die haben zwar über Hackerspaces gebloggt, aber das Problem ist das gleiche: Wir verschließen uns. Wir grenzen uns ab.

Natürlich sind Hackerspaces und die Piratenpartei überhaupt nicht vergleichbar, denn schließlich sagen wir nicht “Hey, die Piratenpartei ist ein elitärer Club, du kommst hier nicht rein!”. Aber wir verharren in unseren selbstgeschaffenen Strukturen, durch die kaum ein Neumitglied durchsteigen wird und alles was wir – in guter alter Nerdtradition sagen – ist: RTFM. Bei uns heißt das dann z.B. “Schau im Wiki nach, irgendwo ist das versteckt.”

Das führt schnell zu Frustration und sorgt dafür, dass viele neue Mitglieder schnell in eine viel zu passive Rolle rutschen. Mitarbeit von neuen Mitgliedern wird dadurch strukturell verhindert. Denn wir wollen offenbar unsere gefühlte Macht nicht abgeben, sie nicht teilen. Den heiligen Gral der Mitarbeit in der Piratenpartei selbst in der Hand behalten.

Wir firmieren unter dem Label der “Mitmachpartei”. Neumitglieder und Interessenten zur Mitarbeit zu motivieren ist unsere Aufgabe. Wir haben diese Strukturen (mit-) geschaffen. Und wir sind in der Pflicht sie den neuen Mitgliedern in der Partei erklären – niemand sonst. Und wenn wir dafür zu FAUL sind, dann müssen wir zumindest dafür Sorge tragen, dass es gute und leicht auffindbare Anleitungen gibt. Es kann durchaus nervig sein drei mal am Tag das gleiche zu schreiben, oder den fünften Stammtisch in Folge die gleiche Einweisung in die Arbeit der Piraten zu machen.

Ja damals™ hat uns auch keiner erklärt wie es funktioniert, auch wir haben uns durchgebissen und uns Strukturen geschaffen mit denen wir arbeiten konnten. Oh weh, oh weh wenn das heute ein neues Mitglied wagen würde. Da wäre die Empörung gigantisch, denn das wäre unpiratig. Die zeiten sind allerdings auch anders. Wir sind nicht mehr die 6000 Piraten die sich fast alle kannten. Damals konnte man unklare Workflows noch schnell über Bord werfen und gegen bessere ersetzen. Heute ist dies nicht mehr so einfach.

Darum: Nehmt die Menschen dort mit, wo sie sind. Erklärt ihnen, wie diese Partei funktioniert. Und wenn es zu kompliziert zum erklären ist, dann ändert das.

Und der nächste, der einem neuen Piraten einfach nur mit RTFM kommt. Dem werde ich mit GTFO antworten.