Politics

Wir haben es verkackt

Die Wahl in NDS ist verloren. Shit happens. Es ist schade um die viele Arbeit, die hier rein gesteckt wurde. Aber nicht nur der LV Niedersachsen hat es verkackt. Die Piratenpartei hat es verkackt.

Damals™, wir waren neu, wir waren frisch, keine Sau kannte uns. Es war geil. Wir dümpelten bei 2%, wurden von anderen Parteien und auf Infoständen ausgelacht. Wir wurden mit denen vor Somalia verwechselt. – Es war uns scheißegal. Wir haben einfach unser Ding gemacht und geil abgeliefert. Bundestagswahl – 2%, wir haben gefeiert. Die Presse hat uns in einem Artikel erwähnt, wir haben uns gefreut.

Es kam 2010. Wir haben ACTA Demos organisiert. Wir haben aufgeklärt und das Thema zum Teil in die Presse gesetzt. Es war geil.

Es kam 2011.

Umfragewerte kannten wir nicht, wir waren Teil der Sonstigen. Egal. Hamburg und Baden-Würtemberg – 2%, wir waren stolz.

Dann kam Berlin – 2%, passt scho. Berlin hat gerockt. Hat einen Wahlkampf gemacht, der genau gepasst hat. Die Zeit war richtig, der Wahlkampf war richtig. BÄM! Presseberichte. BÄM! 4,5%. Das erste Mal der eigene Balken in den Nachrichten. Die Menschen wurden aufmerksam, wir waren nicht die kleine Stimmenverschwendung mehr. Wir waren eine Alternative. Wahlabend BÄM! 8,9%.

Plötzlich war alles anders. Es reichte nicht mehr nur die große Klappe zu haben. Wir mussten liefern. Natürlich haben wir auch hier zum Teil gepunktet. Wir waren in der Realpolitik angekommen.

Plötzlich 3 weitere Wahlen in 2012. Keiner hat damit gerechnet. Wir  glitten noch auf dem Erfolg aus Berlin. 14% Umfragewerte im Bund. Die Einzüge waren sicher. Das war vor einem Jahr. Danach ging es steil bergab.

Was ist passiert?

Wir brachten Schreibmaschinen aus Protest in den Landtag.

Wir verklagten Minister.

Wir verraten unsere Forderungen nach dem transparenten Abgeordneten.

Wir streiten uns, was in den Getränkeautomat soll.

Wir zerfetzen uns gegenseitig. Persönliche Streitereien werden in der Presse ausgetragen.

Und vor allem wir: geben jedem die Schuld, nur nicht den Schuldigen.

Schuld sind WIR!

Wir wurden wie die, gegen die wir angetreten sind, nur amateurhafter. Wir sind die Krabbelgruppe der Politik.

Und genau hier brauchen wir einen Neustart.

Wir müssen uns wieder auf uns selbst besinnen. Wir müssen wieder zu dem Punkt kommen, die Politik der Politik willen zu machen, für den, den die Politik trifft. Nicht für uns, nicht für den Kreisverband, die Crew, den Landesverband oder den Bundesvorstand. Nicht für das Mandat.

Wir müssen wieder Politik für die Bürgerinnen und Bürger machen.

Das können wir derzeit nicht, denn dafür brauchen wir diesen Neustart.

Ein Neustart bedeutet allerdings nicht zurück auf 2009 zu gehen und das ganze noch einmal zu probieren. Ein Neustart bedeutet, wir müssen da rein, wo wir punkten können. Wir müssen unsere Stärken ausspielen.

Wir können der Bevölkerung zeigen, dass wir die geile Alternative sind, die coolen Kinder. Aber das geht nur, wenn wir vorher bei uns selbst aufräumen. Nicht bei jedem schlechten Artikel in der Presse auf die böse Presse schießen. Die Schuld nicht bei anderen suchen.

Wenn wir vom Bürger und von der Presse falsch verstanden werden, müssen wir den Fehler bei uns suchen. Das ist natürlich die schwierigere Alternative, aber alternativlos.

Wir müssen mutiger werden. Und damit ist nicht gemeint, unangemeldet mit Presse mal kurz in die Empfangshalle des Landtags zu gehen. Wir müssen mutiger werden in unseren Positionen. Wir müssen mutiger werden bei Ideenvorstößen. Die letzte größere Demo, die maßgeblich von den Piraten organisiert wurde, in dem für Ihre Ideen geworben wurde, gegen Pläne des Staates, ist länger als ein Jahr her. Wir müssen auch den Mut haben Fehler einzugestehen. Statt anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben, ehrlich sagen „Sorry, wir haben es verbockt und lernen daraus.“.

Dilettantismus wagen können wir nicht verkaufen, wenn wir zeitgleich posaunen, dass wir Regierungsverantwortung übernehmen möchten. Das Problem an dieser Regierungsverantwortung ist, dass man Verantwortung für Menschen übernimmt. Hier ist Dilettantismus absolut fehl am Platz.

Wir müssen transparent werden. Und nein, Transparent bedeutet nicht, seinen Stuhlgang zu twittern oder Protokolle im Wiki. Wir müssen Alternativen für die Bürger schaffen, die Informationen für sie aufarbeiten und übersichtlich darstellen.

Wir müssen Impulse setzen. Wir müssen den Bürger informieren über unsere Themen. Müssen auch außerparlamentarisch Impulse setzen. Einfach mal eine PM zu einem Thema. Einfach mal eine PM, die nicht einfach auf ein 5 Tage altes Ereignis reagiert, setzen.

Wir müssen uns neu erfinden. Gute Eigenschaften behalten, schlechte weg werfen. Das wird die meiste Arbeit sein.

Wir müssen ein „Wir“ sein. Zeitungen sind zur Information und Meinungsbildung der Bevölkerung da und nicht um alle wissen zu lassen, wer dir dein Förmchen geklaut hat. Wir müssen miteinander reden und nicht übereinander.

Das alles und noch viel mehr müssen wir machen, wenn wir wieder die coolen Kinder in der Politik sein wollen. Es reicht halt nicht, einfach nur im Bus hinten zu sitzen.