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Gastbeitrag einiger Basismitglieder der Grünen Jugend Hessen

Frankfurt am Main, den 12. Juli 2012

Lieber Landesvorstand,

mit Verwunderung haben wir eure Pressemitteilung „Alkoholwerbung auf dem Trikot ist für uns nicht tragbar“ zur Kenntnis genommen.

Die GRÜNE Jugend ist als Gesamtverband in der letzten Zeit nicht durch positive Meldungen in der deutschen Fußballwelt wahrgenommen worden. Von einer Pressemitteilung zum Spielverbot am Totensonntag, über die Patriotismusdebatte bis hin zur jetzigen Pressemitteilung zum voraussichtlichen Trikotsponsor von Eintracht Frankfurt, kommt der Verdacht auf, dass die GRÜNE Jugend nur sportpolitisch aktiv ist und in den anderen Bereichen nicht wirklich wahrgenommen wird.
Wir beobachten die immer häufiger vorkommenden politischen Sommerloch-Debatten mit Sorge. Die GRÜNE Jugend sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren und nicht konstruierten Hypes hinterherrennen.

Trotzdem ist der Landesvorstand der GRÜNEN Jugend Hessen zu dem Entschluss gekommen, eine privatwirtschaftliche Entscheidung der Eintracht Frankfurt Fußball AG zu kommentieren.

Die Frage, welcher Trikotsponsor für die Eintracht gerechtfertigt ist, ist keine Frage der hessischen Landespolitik! Ob Minolta, Höchst, Licher, Coca Cola, Possmann, Deutsche Bank, Lufthansa, GasUnion, mainova, Mitsubishi, Nissan, FIAT, BMW, Commerzbank, STADA Arzneimittel, Lotto Hessen, Fraport oder Krombacher. Keiner dieser neuen und ehemaligen Eintracht-Sponsoren und Partner gehört zu den GRÜNEN Zukunftsbranchen. Ähnliche Partner und Sponsoren findet man auch bei anderen Vereinen. Es sei nur kurz das Engagement von Veltins bei Schalke 04, der Allianz AG beim FC Bayern München, Areva Deutschland beim 1. FC Nürnberg oder der Privatbrauerei Kirner beim 1. FSV Mainz 05 erwähnt.
Sicherlich wollen wir die Gefahr des Missbrauchs von Alkohol und Drogen, gerade bei Jugendlichen nicht verharmlosen! Die Eintracht hat zudem signalisiert, die Jugendtrikots nicht mit Bierwerbung zu bestücken.
Trotzdem ist es ein Teil der Privatautonomie, mit welchen Unternehmen die Eintracht Frankfurt Fußball AG einen Sponsorenvertrag abschließt.

Welches Sponsoring in der Gesellschaft „angemessen“ ist kann nicht von der GRÜNEN Jugend Hessen beantwortet werden. Es ist eine bei GRÜNEN weit verbreitete Praxis, normativ über die Gesellschaft zu urteilen und dabei selbst immer auf der guten Seite zu stehen.

Wir sehen die GRÜNE Jugend als einen liberalen Verband. Dabei bedeutet „liberal“, dass jeder frei von Zwängen entscheiden kann, wie er handeln möchte. Voraussetzung ist dabei, dass jedes Individuum gemäß der verfassungsmäßigen Ordnung handelt. Wenn zwei legal und legitim(!) wirtschaftende Unternehmen einen Vertrag schließen möchten, ist es nicht Aufgabe der Politik über das „ob“ zu entscheiden.

In diesem Sinne wünschen wir uns, dass die GRÜNE Jugend Hessen sich in Zukunft mehr der politischen und weniger der freizeit- bzw. privatwirtschaftlichen Aktivitäten zuwendet.

Mit einträchtlichen Grüßen!

<Unterzeichner>