Politics

#Occupy Frankfurt – ein kleiner Bericht

Gut zwanzig Piraten aus Hessen, Rheinland Pfalz und Baden-Würtemberg trafen sich heute in Frankfurt, um bei der von Attac und der Occupy-Bewegung organsierten Demonstration gegen Banken und Rettungsschirme zu demonstrieren.
Nach anfänglichem Staunen, dass ein doch so kurzfristiger Demoaufruf circa 5000 Menschen auf die Straße bringen kann, ging es nach einer Startkundgebung am Rathenauplatz los. Der Demonstrationszug setzte sich dann in Richtung Willy-Brandt-Platz in Bewegung, nicht ohne zwangsläufig an Banken vorbei zu kommen, welche natürlich ausgepfiffen wurden.
Am Willy-Brandt-Platz, und damit vor der europäischen Zentralbank angekommen, gab es nach zwei Redebeiträgen, die durchaus hörenswert waren, ein offenes Mikrofon. Hier begann auch der größte Teil der Kundgebung, die sich teilweise in ein Sit-In verwandelte, bei dem jeder, der etwas sagen wollte, dies auch durfte.
Hier kam es zu dem ersten eigentlich lustigen Eklat. Der Veranstalter wies darauf hin, dass es keine parteipolitische Veranstaltung sei und Parteiflaggen herunter genommen werden mögen. Dem Wunsch der Veranstalter folgend, hatten wir von Beginn an nur einen „Jolly Roger“ gehisst. Wir bekamen allerdings auch einige böse Rufe von Demonstrationsteilnehmern ab. Wir sollten ihn runter nehmen – was wir nach dem Versuch, ihn nicht als Parteiinsignium weiter oben zu behalten, auch getan haben. Die Linke hatte sich geziert und behielt opportunistisch ihre Fahnen oben, was ihnen die Demonstranten auch mit Pfiffen und Sprechgesängen quittierten. Dies war der erste Moment, in dem es zu einem kurzem Handgemenge kam. Ein Demonstrationsteilnehmer wollte seiner Aufforderung Nachdruck verleihen und zog eine der Fahnen herunter. Sogar die Jusos kamen den Aufforderungen nach.
Dann war das offene Mikrofon, von denen durchaus ein paar gute Redebeiträge rüberkamen. Sehr gut hat mir der Beitrag einer Griechin gefallen, den sie in griechischer Sprache hielt und sich selbst übersetzte. Auch die Beiträge einiger US-Bürger waren in meinen Augen recht gut.
Aber auch eher zweifelhafte Redebeiträge kamen an die Reihe. Ein besonderes Highlight war die Verbindung zwischen der Bankenkrise und einer Gefahr für die feministische Bewegung. Ich muss sagen, dass ich aufgrund der Lautstärke nur 90% verstand. Allerdings wurde dann Frau Merkel als Frau kritisiert, da sie mit Aufstellung des ESFS die Frauen in Deutschland unterdrücke.  Leider war der Lautsprecherwagen nicht wirklich auf die Demonstrationsteilnehmer ausgelegt, so dass wir, obwohl wir sehr nah dran standen, nicht sonderlich viel hören konnten.
Lustig fand ich auch die Redeteilnehmer, die man aufgrund der Pfiffe und Buh-Rufe nicht verstehen konnte. Die Buh-Rufe und Pfiffe provozierten sie allerdings jedes Mal selbst, indem sie versuchten, Ihre Partei am Mikrofon in den Vordergrund zu drängen. Wer natürlich gefehlt hat, waren die Betroffenheitspolitiker der Linken und Grünen, die man normalerweise auf solche einer Veranstaltung immer in der ersten Reihe sieht. Ich vermute, die haben einfach in Berlin mitdemonstriert.
Nachdem ein paar US-Amerikaner sprachen, kam ein Demonstrationsteilnehmer mit einer USA-Flagge. Hier reagierte das anwesende Klientel reflexartig und verwandelte den systemkritischen Protest schlagartig in eine Anti-USA-Demo. Der Flaggenhalter wollte sie nicht herunternehmen, als die Situation auf einmal kurz eskalierte. Ein Teilnehmer hatte die Flagge mit Gewalt heruntergerissen, was ein kurzes Handgemenge nach sich zog. Es bildete sich schlagartig ein kleiner Pulk, die Sache war aber zum Glück nach etwa drei Minuten wieder deeskaliert. Relativ zeitgleich kam jemand mit einer Adbuster Corporate Flag. Er wurde genauso von einigen Demonstranten angegriffen, bis diese über den ironischen Aspekt dieser speziellen US-Flagge aufgeklärt wurden.
Ich persönlich bin immer wieder entsetzt darüber, wie emotional manche Leute gegenüber Andersdenkenden sein können. Ja, man kann nun sagen „er hätte die Ami-Flagge ja nicht herausholen müssen“, aber wenn er dieser Meinung ist, dann soll er sie doch auch ausdrücken. Ich verstehe Sprechgesänge dagegen, aber er war die ganze Zeit standhaft. Da muss ich nicht hingehen, ihn angreifen und sein Eigentum zerstören.
Ich glaube es ist immer ein Armutszeugnis für die eigene Position, wenn sie mit Gewalt durchgesetzt werden muss. Man sollte doch auch die Gelassenheit besitzen, andere Meinungen zu zulassen. Wir leben in einer Demokratie; ich sehe es in vielen Gruppen in denen ich unterwegs bin, dass eigene Meinungen oftmals mit einem extrem hohen Maße an Emotionen verteidigt werden, die dann sehr schnell auf eine persönliche Ebene kommen. Mich erstaunt immer wieder die Vehemenz, mit der dann gekämpft wird. Leute bleibt cool, nicht jeder muss eurer Meinung sein, sonst kommen wir wieder zu einer Meinungsgleichschaltung, die wir doch auch alle kritisieren.
Als kleine Notiz am Rande. Die Polizei war anscheinend etwas überfordert und unterbesetzt auf der Demo. Auf Nachfrage sagte ein Polizist, das sie nicht mit dieser Menschenmenge gerechnet hätten. Die Demo war aber insgesamt – bis auf die zwei kleinen Ausnahmen – sehr friedlich. Nun bleibt nur zu hoffen, dass die Proteste, nicht wie andere, bei der Regierung ungehört bleiben.
Um hier abschließend noch einmal auf die Betroffenheitspolitiker zurück zu kommen – eine Frage an diese. Warum lauft ihr pressewirksam bei den Demonstrationen in der ersten Reihe mit, bringt aber die Themen nicht in eure Gremien ein? Es ist doch heuchlerisch, auf Demos wie der FSA oder Kundgebungen wie bei der Verfassungsbeschwerde gegen die VDS schön in die Kamera zu grinsen, aber nicht von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, diese Themen erneut in eure Gremien und Parlamente zu tragen!